Traditionen 1

Andere Länder, andere Sitten

Traditionen und Bräuche in Katalonien


Als ich vor über 30 Jahren zum ersten Mal nach Katalonien kam, musste ich mich doch etwas umstellen denn hier läuft einiges anders als das bei mir, bis dahin in Deutschland der Fall war...

Das fängt beim Frühstück an denn der Katalane trinkt hier meist nur einen Kaffee und dazu gibt es allenfalls noch ein Croissant. Das Mittagessen kommt so gegen 14:00 Uhr auf den Tisch und abends geht's erst ab 21:00 Uhr mit dem Abendessen los. So ist es nun mal und ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt


Essen und Trinken steht ganz oben auf der Liste dessen, was die Menschen hier am liebsten tun. Zu jedem Feiertag oder Fest gibt es immer etwas Besonderes. Fast Food ist sicher keine katalanische Erfindung. Hier lässt man sich Zeit. Katalanen sind Genießer und je öfter und besser, desto lieber... Das heißt nun nicht, das man auch zwischendurch einmal einen Hamburger essen kann.

Desweiteren haben es die Katalanen geschafft viele Traditionen und Bräuche aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu retten. Viele kommen gerade an Fest- und Feiertagen zur Geltung und werden auch heute noch von der Bevölkerung sehr geschätzt. So habe ich hier sehr viel gelernt, sehe heute viele Dinge anders und möchte von meinem Leben hier in Katalonien nichts mehr missen!

Die auch für Touristen interessanten Traditionen und alten Bräuche werde ich im Laufe der Zeit ausführlicher beschreiben. Hier vorab schon einmal einige Kurzbeschreibungen:


1. Die Traditionen zur Weihnachtszeit

Weihnachtsbaum

Man liest sehr oft, dass es in Spanien keine Weihnachtsbäume gäbe. Das ist absolut falsch, denn hier wachsen zwar viele Palmen aber zu Weihnachten steht auf jedem noch so kleinen Dorfmarktplatz ein Weihnachtsbaum.

Der größte Weihnachtsbaum Spaniens steht hier in Katalonien, nur 65 km von meinen Wohnort entfernt (95 km von Barcelona) in Sant Hilari Sacalm. Er ist 20,10m hoch und damit 8 Meter höher als der Baum, der am Portal del Ángel in Barcelona steht.

Die Weihnachtsbäume, die in den Wohnungen der Katalanen stehen, sind zum allergrößten Teil ganz einfache Fichten die schön geschmückt nicht einmal schlecht aussehen. Mehr wert als auf den Weihnachtsbaum legt man allerdings auf die Krippe, "el Belén" wie es hier in Ableitung von Betlehem genannt wird.

Wer etwas auf sich hält, der holt seinen Weihnachtsbaum in "Espinelves", das 200 Einwohner große Dorf liegt 14 km von San Hilari entfernt und ist in der Vorweihnachtszeit der Mittelpunkt Kataloniens. Hier findet Anfang bis Mitte Dezember die Weihnachtsbaum-Messe Fira de l'Avet statt. Zigtausende Katalanen besuchen dann dieses kleine Dorf und schauen sich interessiert denn neuesten Krippen- und Baumschmuck an. Immer mehr Menschen nehmen von hier dann auch ihren Weihnachtsbaum mit nach Hause.


Die lebendigen Weihnachtskrippen:

krippe

Eine Weihnachts-Tradition gefällt mir persönlich ganz besonders gut und die ist in vielen Ortschaften Kataloniens zu finden. Krippen habe ich immer gemocht und kann sie mir stundenlang betrachten.

Hier aber wird, meist an den Wochenenden und zu einer festgelegten Uhrzeit, von den Mitgliedern eines Vereins oder der Stadt, alljährlich in einer "lebendigen" Krippe die Weihnachtsgeschichte gespielt.

Mittlerweile hat sich eine Vereinigung zu Erhaltung dieser Tradition gebildet. Bis heute sind bereits über 30 Städte und kleinere Orte beigetreten. In Castel de Aro hat man mit dieser Weihnachtstradition im Jahre 1959 also schon zu "Francos Zeiten" begonnen und alle Jahre wieder dort die Weihnachtsgeschichte erlebt.

krippe

Die Krönung dieser "lebendigen" Krippenspiele - "Pessebres vivents" habe ich 1982 zum ersten Mal gesehen. Ca. 35 km von Lloret de Mar liegt, im Innern der Provinz Girona, der kleine Ort Brunyola. Dort sollte es ein besonders schönes Krippenspiel geben, so hatte man mir erzählt.

Foto: © by www.pessebresvivents.cat

Meine Frau (damalige Freundin) wollte mich überraschen und mir etwas Besonderes zeigen. Wir sind dann, an einem eiskalten Dezemberabend und dick eingehüllt in unseren Winterklamotten, zu diesem kleine Ort gefahren. Bei der Ankunft hatte ich mich schon gewundert, weil unwahrscheinlich viele Autos dort schon weit vor dem Ortseingang parkten. Nach langem Suchen fand ich endlich einen Platz für mein Auto und wir gingen anschließend bis zum Marktplatz.

Der liegt direkt vor dem Rathaus von Brunyola. Dort erschien nach einiger Zeit ein Mann, der gekleidet wie ein römischer Soldat, die anwesenden begrüßte. Das geschah natürlich in català und ich habe kein Wort verstanden. Okay, dachte ich noch, verstehen muss ich hier nichts denn ich wollte mir sowieso nur alles ansehen. Dann fiel plötzlich das Licht aus... Mehr dazu unter: Lebendige Krippe in Brunyola


Der traditionelle Spaß beim "Caga Tió":

cagatiot

Geschenke, wie bei uns in Deutschland gibt es hier an Heiligabend zumindest offiziell nicht, denn die werden erst am 6. Januar von den drei Königen gebracht. Für die Kinder gibt es allerdings etwas ganz besonders Beliebtes und das verkürzt die Zeit des Wartens sehr.

Foto: © by Wikipedia

So wird traditionell am 8. Dezember der Caga Tió ins Haus geholt. Ein Tió (bitte nicht verwechseln mit Tio = Onkel) ist eigentlich nur ein Holzklotz und hier nicht mehr als ein Stück eines dünnen Baumstammes oder eines dicken Astes dem man vorne ein Gesicht gemalt hat und hinten... na ja, dazu kommen wir dann später.

Dieser bemalte Baumstamm wird dann, damit im immer schön warm ist und er sich nicht erkältet, in eine Decke gehüllt und in der Wohnung an einem Ort aufbewahrt, an dem er bis zum Heiligabend verwöhnt wird. So bekommt er jeden Abend Obst, Gemüse, Brot und Nüsse, die er dann über Nacht frisst damit sich sein Magen füllt und er gut zunimmt...

Am Heiligabend wird er dann von Papa und Mama festlich hergerichtet... Mehr dazu unter: Caga Tió...


Der Caganer, (sprich - kagané) die beliebte katalanische Krippenfigur:

caganer

Als ich zum ersten Mal vor einer katalanischen Weihnachtskrippe stand, konnte ich für mich zunächst keinen Unterschied zu unserer deutschen Krippe feststellen. Warum sollte ich auch, denn die Weihnachtsgeschichte ist schließlich dieselbe denn in Katalonien sind die Menschen in der Mehrzahl katholisch...

Dann allerdings glaubte ich an einen Scherz denn ich entdeckte eine kleine Figur, die etwas abseits von den anderen, mit herunter gelassener Hose und in gebückter Haltung ihre Notdurft verrichtete... Ganz leise erzählte ich das meinem Freund Joan... Er ist Katalane und konnte sich nur schwer das Lachen verkneifen, als er mich ganz vorsichtig aufklärte.

caganer

Eigentlich ist es doch das Normalste auf der Welt, so sagte er, wenn dort, wo viele Menschen sind, auch einmal jemand ist, der mal "muss"... und wenn das nun auf dem Feld in der Nähe einer Krippe der Fall ist, wo soll er denn dann hin? Ich habe nur in sein toternstes Gesicht gesehen und konnte mich vor lauter lachen kaum noch auf den Beinen halten. Du willst mich doch auf den Arm nehmen habe ich ihm gesagt, er aber blieb die Ruhe selbst...

Wo würdest du denn dann hingehen, fragte er mich? Ich war schon überrascht über meine eigene Antwort die da lautete... Mehr dazu unter: Der Caganer...


Familientreffen zu San Esteban:

canelones

Am 26. Dezember wird in Deutschland der 2. Weihnachtstag gefeiert. Den gibt es zwar hier auch aber gefeiert wird an diesem Tag "San Esteban" der Stephanstag. Dazu trifft sich traditionell die ganze Familie mit Kindern, Enkeln und wenn vorhanden auch Urenkeln, zum gemeinsamen Mittagessen.

Hier steht Jahr für Jahr das gleiche Menü fest. Zur Vorspeise gibt es die von Mutter zubereiteten Canelones, das sind mit Nudelteig ummantelte Hackfleischröllchen die dann mit Béchamel Sauce und Käse im Ofen überbackenwerden. Da vom typischen (Vortages)Weihnachtsessen, dem Fleischtopf "Carn d´Olla" und dem Weihnachtsbraten, meist noch jede Menge leckeres Fleisch übrig bleibt, nimmt man dies nach alter Tradition und verarbeitet es zu Hackfleischfüllung für die Canelones.

galets

Eine weitere typische Vorspeise für diesen Familientag ist "la sopa de galets", das ist eine Suppe mit einer Einlage die aus Nudelteig geformten Schneckenhäusern besteht. Diese Suppe gibt es mit und ohne Fleischeinlage.

Das schmeckt auf der einen Seite ganz hervorragend und auf der anderen Seite zeigt auch hier der Katalane seine Sparsamkeit indem er nicht einmal zu Weihnachten etwas wegschmeißt sondern alles verwertet... Zum Hauptgericht gibt es meist Truthahn oder gefüllte Ente die auch gerne mit Apfelsinen, also "a la Naranja" serviert wird. Das es zum Nachtisch Crema catalana gibt, muss ich hier wohl nicht extra erwähnen... Zum abschließenden Café wird Cognac oder Likör gereicht und auch die zu Weihnachten typischen Turrons, das sind eine Vielfalt an Pralienen in Form einer extra dicken Schokoladentafel, dürfen nicht fehlen.


Weintrauben zu Silvester:

silvester

Jedes Hotel, jeder Festsaal und jedes größere Restaurant bietet für den Silvesterabend ein Galadinner mit Musik zum Tanz ins neue Jahr. Solche Veranstaltungen sind nicht ganz billig und trotz der Preise von 70,- bis 120,- Euro pro Person, sind die meisten Veranstaltungen schnell ausverkauft.

Da die kleineren Restaurants an diesem Abend fast alle geschlossen haben, bleibt den Menschen allerdings auch nur die Möglichkeit, entweder zu Hause zu feiern oder eine dieser Veranstaltungen zu buchen.

Wir feiern in den letzten Jahren eigentlich immer zu Hause und machen es uns am offenen Kamin bei einem (oder mehreren) Gläschen gemütlich. Egal wo auch immer man sich am Silvesterabend aufhält, ist eines ganz sicher. Pünktlich um 24:00 Uhr hat jeder 12 Weintrauben vor sich und wenn die Uhr auf null springt, stecken sich Millionen von Spaniern... Mehr dazu unter: Huvas de Suerte...


Der Dreikönigstag

3 Könige

Unseren "deutschen" Weihnachtsmann, den Nikolaus oder gar den bösen Knecht Ruprecht mit der Rute sucht man hier vergeblich. Damit hatte ich schon in meiner Jugend meine Probleme. Was, wie wo... wer brachte denn nun die Weihnachtsgeschenke, das Christkind oder doch der Weihnachtsmann?

Eigentlich machen die Spanier es uns vor denn die Geschenke die es bei uns in Deutschland traditionell am Heiligabend gibt, sollten eigentlich zum Fest der 3 Könige verteilt werden. Die Könige waren es doch, die dem Christkind die ersten Weihnachtsgeschenke zu seinem Geburtstag in die Krippe brachten...

Seit je her ist dieser 6. Januar der Tag der Bescherung für die Spanier. Für die Kinder ist er der Tag des Jahres und sie fiebern förmlich darauf hin. Am Vorabend finden die Umzüge statt bei denen die Könige mit ihren Pagen in riesigen Wagen durch die Städte fahren. Diese Umzüge sind von der Organisation und dem Aufbau mit unseren deutschen Karnevalsumzügen zu vergleichen.

Statt des Prinzenwagens gibt es hier drei Königswagen und statt der Mottowagen, sind es hier die Geschenkewagen. Unzählige große und kleine Pakete und Päckchen werden auf den vielen Wagen transportiert. Alle sind mit Weihnachtspapier verpackt. Die Wagen sind alle weihnachtlich geschmückt und die Pagen werfen jede Menge Bonbons von den ... Mehr dazu unter: Dreikönigstag...


In Vorbereitung

Traditionen über das ganze Jahr verteilt

sardana

La Sardana
Der typisch katalanische Tanz

Ostern
Karfreitagsprozessionen

Sant Jordi
Fest des Schutzpatrons von Catalunya

Correfoc
Umzug der Feuerteufel durch die Stadt

castellers

Castellers
Die berühmten Menschentürme

San Joan
Die Johannesfeuer und Feste am Vorabend

Festes de Barris
Jedes Stadtviertel feiert sein eigenes Fest



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